Die Sache mit der These

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So, die Zeit ist bereit! Die Kinder sind in Schule und Kindergarten untergebracht. Der Weg geebnet. Aber jetzt – da ist es nun: Dieses gefürchtete weiße Blatt! Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf. Wie geh ich’s an? Was soll ich tun? Was soll ich schreiben? Wie lautet das Thema tatsächlich? Ist vielleicht schon die Waschmaschine schon auszuräumen? Welcher Teufel hat mich zu diesem Studium geritten? Hätt ich nicht schon eigentlich genug zu tun gehabt – ich mein, jetzt so als Mama von drei Kindern?

Eigentlich könnte ich doch tausend andere Sachen tun. Die Vorhänge sehen auch schon so aus, als könnten sie eine Wäsche vertragen. Man könnte vielleicht auch noch die zu klein gewordenen Klamotten ausmustern. Oder die Lego-Tretminen aus dem Kinderzimmer entfernen. Weltbewegende, schier unendlich wichtige Aufgaben wären daheim zu erledigen.

Dabei sollt man doch eigentlich meinen, dass ich diese raren einsamen Stunden, die sich dank lieber Menschen jetzt auf einmal für mich auftun, ehrlich sinnvoll zu nutzen weiß… Also für meine Masterarbeit. Naja, gut Ding braucht anscheinend doch auch Weile. Immerhin PC in Verwendung. Und geschrieben wird auch.

Diese Stille zu Hause – merkwürdig. Sonst immer völliger Affenzirkus im Musicalstyle hier. Ständig tanzt oder hüpft oder rennt jemand mit kleiner Körpergröße vorbei, um irgendwas vorzusingen oder zu berichten, welcher Lego-Drache zu welcher Lego-Elfe gehört. Und jetzt? So ruhig alles. Keiner hängt auf Türstöcken, keiner streitet um die (in dieser Sekunde) oberallerallerliebste Stoffkatze. Naja, vielleicht doch was für die These machen. Oder doch zur Wäsche?

Uni war toll! Alle Monate Blockveranstaltungen. Man wurde vollgepumpt mit Wissen.  Mehr oder minder sinnvolle, vor allem aber lustige Unterhaltungen mit schnell liebgewonnenen Menschen, die die Volljährigkeit bereits erreicht hatten. Zumindest der Geburtsurkunde nach. Ein großer Schritt aus der Drachen-Elfen-Welt. Quasi Mama auf Klassenfahrt.

Die drei oder viermal, die ich im Studienort übernachtet hatte (sonst bin ich zu meiner Bande zurückpendelt) waren toll. Endlich einmal durchschlafen! Bis acht Uhr!! Ein Wahnsinn – unglaublicher Luxus. Keine nächtlichen Wanderungen, keiner rammte mir Ellbogen oder Beine ins Gesicht oder sonst wohin, zur Abwechslung mal nicht verdrängt werden vom eigenen Polster. Morgens nur sich selbst für den Tag herrichten. Unfassbar! Selten hab ich so entspannt um 9.30 an einem Schreibtisch gesessen.

Und jetzt? Jetzt muss ich es endlich tun. Die vielen, vielen weißen Blätter befüllen. Denn dann bin ich die Oberheldinnenmama, weil ich gegen meinen ganz persönlichen weißen Blätterdrachen gekämpft hab. Möge die Macht mit mir sein!

Ps: Ich glaub, die Waschmaschine ist fertig…